on Facebook

recommends (Anzeige)

recommends (Anzeige)

recommends (Anzeige)

21.01.2015 | Regensburg

Neue Wege zu den Wurzeln

© Rootz Radicals
Foto: Rootz Radicals
2011 gelangten die drei Regensburger Uno, Christian und Henry in eine musikalische Sackgasse. Im Sound ihrer Band Steel String, die es bis dato zu nicht geringer Aufmerksamkeit geschafft hatte, fanden sich die drei nicht mehr wieder. Mit der Gründung der Rootz Radicals hat die Band sich neu formiert und gefunden: Es soll zu den Wurzeln gehen. Nach drei Jahren intensiver Songwriting-, Studio- und Probenarbeit erscheint am 22. Januar die erste EP "Lian outta Den" mit sechs kraftvollen und modernen Roots-Reggae-Songs. Im Sommer soll die nächste EP folgen. Die Rootz Radicals wollen durchstarten - das machen Gitarrist Christian Moll und Sänger Uno Jahma in unserem Gespräch klar.


Uno, Christian, früher wart ihr als Steel String bekannt. Warum der neue Name?


christian Steel String bildete eine enorme Erfahrungsgrundlage für uns, hat aber so gar nichts mehr mit dem zu tun, was wir mit Rootz Radicals vor haben. Mit dem Projekt Rootz Radicals wollen wir die Vergangenheit bewusst hinter uns lassen. Wir hatten damals andere, vielleicht auch naivere musikalische Vorstellungen von Reggae. Mit dem Organisten Tom und Schlagzeuger Ben hat sich für Uno, unseren Bassisten Henry und mich eine neue Besetzung gefunden. Der Name musste zu dem Sound passen, der uns vorschwebte: rougher, urbaner, moderner Roots.


uno Steel String war von Gitarren geprägt – bei den Rootz Radicals geht es um die Tiefe des Reggae. Damals waren wir jung und haben uns die Gitarren sozusagen als „unique selling point“ ausgedacht (lacht). Im Nachhinein war das aber nicht das, was wir wirklich repräsentieren wollen. Wir lieben Roots Reggae seit wir Kinder sind. Meine Ma hat mir meine erste Reggae-CD geschenkt. Das sind unsere Roots, die respektieren wir und wir wollen sie unseren Vorbildern gemäß rüberbringen.




Welche CD hast du damals bekommen?


uno Das war der Sampler „Magic Reggae“. Kennst du den?


Hört sich an wie ein guter Einstieg.


uno Ja, da waren alle Top-Acts drauf. Peter Tosh, Bob Marley & The Wailers, Third World. Alle Legenden. Die „Legend“ und „Burnin‘“ von Bob Marley habe ich auch von meiner Mutter bekommen.


Eure neue EP „Lian outta Den“ ist für euch dann gewissermaßen ein neuer Startpunkt?


christian Absolut. Mit den Rootz Radicals haben wir erst letztes Jahr im Mai wieder angefangen live zu spielen, nachdem wir ausgiebig geprobt und etliche Songs & Riddims produziert hatten. Wenn das das Warm-up war, ist das Release der EP auf jeden Fall ein Startschuss.


Was macht die neuen Songs musikalisch und textlich aus?


christian Eine gravierende Neuerung ist, dass wir auf Patois schreiben. Wir haben es lieben gelernt, diese Sprache zu verwenden – durch jahrelanges bewusstes Reggae-Hören und durch Gespräche. Lyrik steht viel mehr im Mittelpunkt. Patois klingt besser und bringt die Roots eher rüber als das Standard-Englisch, das wir früher benutzt haben. Patois ist viel freier und dadurch auch kreativer. Ich liebe es, auf Patois zu schreiben.


uno Wir haben uns auch von unserem Kumpel Black Fortay aus Sierra Leone inspirieren lassen. Ich habe mich sechs Wochen lang mit ihm nur auf afrikanischem Englisch unterhalten, dann war es drin. Auch die Songwriting-Sessions liefen komplett in dieser Sprache ab. Teilweise hört man den afrikanischen Akzent raus. Manche Wörter kommen aus Sierra Leone und nicht aus Jamaika. Ich singe zum Beispiel „tell am“ statt „tell dem“. Das „am“ kommt aus Afrika. Das liegt an unseren afrikanischen Freunden.


© Rootz Radicals
Foto: Rootz Radicals


"Heute freue ich mich auf jedes Konzert, weil mir die Message und die Riddims unserer Band auch selbst taugen."




Wie seid ihr miteinander in Kontakt gekommen?


uno Das war Schicksal. Black Fortay ist einfach ein alter Freund. Unsere Sessions entstanden aus dem gemeinsamen Vibe.


Was könnt ihr im Patois besser ausdrücken als auf Deutsch?


christian Zum einen ist es der Klang. Der Klang dieser Sprache macht für uns einen erheblichen Anteil an dem aus, was Reggae insgesamt repräsentiert. Dadurch lässt sich der Inhalt in einer Ästhetik rüberbringen, die für uns sehr ansprechend ist. Zum anderen spricht man gewissermaßen automatisch in Metaphern wenn man auf Patois textet, weil es nicht jeder gleich versteht. Man kann vieles durch Sprichwörter und Redewendungen ausdrücken, die indirekter klingen und dadurch dem Gesagten mehr Kraft verleihen und es lyrischer und interessanter machen.


Habt ihr schon versucht, deutsche Texte zu schreiben?


christian Wir haben es kurz mal überlegt. Sehr kurz (lacht).


uno Ich will dazu kurz sagen, dass wir aus Bayern kommen. Das ist schon mal die erste Hürde (lacht). Wir wollen aber einfach nicht nur in Deutschland stattfinden, sondern auch international.


Das heißt ihr macht das ganz bewusst, um auch in anderen Ländern auf Tour gehen zu können?


christian Wir schielen vor allem auf die Festivals der kommenden oder übernächsten Saison. Natürlich will man sich heutzutage auch eine internationale Fanbase aufbauen.


Und eure Tunes produziert ihr alle selbst? Im eigenen Studio?


uno Richtig, wir haben alle Riddims selbst an der Workstation geschrieben und abgemischt. Die Pause zwischen Steel String und Rootz Radicals haben wir dazu genutzt, unsere Skills an den Geräten oder beim Songwriting zu verbessern. Wir haben uns gefragt, wo wir mit Rootz Radicals hin wollen, um einen Sound hinzukriegen, hinter dem wir voll stehen. Bei Steel String war das am Ende nicht mehr der Fall. Heute freue ich mich auf jedes Konzert, weil mir die Message und die Riddims unserer Band auch selbst taugen.


© Rootz Radicals
Foto: Rootz Radicals



"Wir haben keine Hemmungen, einen Staat aufzufordern, seine Waffen niederzulegen."





Musstet ihr erstmal euren Weg finden?


uno Auf jeden Fall. Ich habe für andere Bands als Engineer aufgenommen und Songs geschrieben, zum Beispiel für die Ska-Band Skolka aus Österreich. Dadurch habe ich meine eigenen Fähigkeiten als Songwriter und das richtige Session-Gefühl entwickelt: nicht mehr nur dann kreativ zu sein, wenn es gerade zufällig passiert, sondern wenn es gerade nötig wird.


Das hört sich alles sehr danach an, als wolltet ihr die Band zum Beruf zu machen.


uno Ich bin schon hauptberuflich Musiker und lebe davon, weil ich unter der Woche Musikunterricht gebe. Dem Projekt Rootz Radicals bin ich sehr dedicated.


Christian, du schreibst im Moment deine Abschlussarbeit an der Uni über Dancehall, ist das richtig?


christian Ja, richtig, ich wollte ein gutes Thema für meine Arbeit finden und habe dann durch einen riddim-Artikel die Reggae Studies Unit an der University of the West Indies in Kingston entdeckt. Ich habe Kontakt mit der Uni aufgenommen und mir mit Carolyn Cooper und Donna Hope meine These erarbeitet. Professor Cooper hat mich ermutigt, etwas über weibliche Dancehall Artists zu schreiben, also geht es um „Dancehall as female Space.“


Kommen wir mal zu euren Songs auf der EP. In „Israel“ fordert ihr von selbigem Staat, die Waffen niederzulegen. Warum ist das ein Thema für einen eurer Songs geworden?


christian Der Refrain fiel mir beim Joggen ein. Das Thema war im Spätsommer sehr gegenwärtig. Ich dachte, lass uns doch eine Strophe zu „Israel, put down your weapon and your armor, got RastafarI eye pon ya“ schreiben. Wir haben anschließend lange überlegt, ob wir uns wirklich kritisch dazu äußern wollen.


uno Viele afrikanische Kumpels von mir haben mich gewarnt, weil der Song echt kontrovers ist. Sie sagten, in Afrika würden die Leute sagen, das geht überhaupt gar nicht, was wir da vorhaben.


christian Uns war bewusst, dass Kritik an Israel besonders hierzulande oft ein No-Go ist. Wir haben das ignoriert. Wir sind nicht die Generation, die für die Vergangenheit verantwortlich gemacht werden kann. Wir sind Reggae-Musiker. Wenn man sich den Song anhört, stellt man fest, dass die Kritik nur im Refrain stattfindet. Wir wollen nicht mit dem Finger auf „dirty politics“ zeigen. Das wird im Reggae schon oft genug, und oft auch auf eine sehr plumpe Art und Weise, getan. Wir wollten das positive Erbe Israels betonen, das für den Reggae eine große Bedeutung hat. Für die spirituelle und musikalische Entwicklung eines jeden Reggaemusikers.


uno Der Song ist eigentlich keine Kritik. Wir haben sehr bewusst drauf geachtet, dass das reiche Erbe und der spirituelle Aspekt Israels im Vordergrund steht. In den Strophen beschreiben wir, was an Israel alles gut ist.


christian Eben, und unter diesem Aspekt haben wir auch keine Hemmungen, einen Staat aufzufordern, seine Waffen niederzulegen. Das passiert nicht zum ersten mal in einem Reggaesong. Hinter dem Song Israel stehen wir voll.




Der Song „Way we all come from“ zeigt die bunte Gesellschaft, die ihr leben wollt?


uno Das ist gewissermaßen unser One-Love-Unity-Song, ja. Wir kommen alle vom selben Weg. „In my heart Jah love is mine, that’s the way we all come from“.


Unity ist ein Thema, das in den vergangenen Wochen und Monaten immer wichtiger geworden ist.


christian Wir haben uns das nicht speziell aus aktuellem Anlass ausgesucht.


uno Das ist ein zeitloses Thema – ob man in den 70ern lebt oder in den 2010ern. Wir versuchen, die Message auszudrücken und den Unity-Gedanken durch positive Musik zu fördern.



____________________________________________________________


text: fsch
fotos: Rootz Radicals


© reggae-interviews.de 2015


Alle News anzeigen

 Rootz Radicals

Aus

Regensburg

Gegründet

2011

Termine

22.01.15 - EP-Release-Party - Regensburg (Alte Mälzerei)
30.01.15 - Hösacker (Blackout)
03.02.15 - München (Café Kosmos)
21.02.15 - Bamberg (Sound'n'Arts)
18.04.15 - Landshut (Kn4st)
18.07.15 - Lienz (A, Eastrock Festival)

LinkUp

Rootz Radicals im Netz |
Rootz Radicals bei Facebook |

Update

unterstützt

recommends (Anzeige)

recommends (Anzeige)